Wie es ist, mit Ashtanga zu beginnen – ein Erfahrungsbericht

In meinem Yogastudio in Boll begleite ich Menschen, die ihre Yogapraxis vertiefen möchten. Ashtanga Yoga verbindet Atem und Bewegung in einer klaren, wiederkehrenden Struktur und ermöglicht eine ruhige, kraftvolle Praxis. Dieser persönliche Erfahrungsbericht erzählt davon, wie sich der Einstieg in Ashtanga anfühlen kann — und wie sich die Praxis mit der Zeit verändert.

Vor vielen Jahren bin ich durch puren Zufall in eine Ashtanga-Yoga-Stunde bei Heidi Aemisegger geraten. Sie lachte herzhaft und sagte: „Verena, was willst du hier?“ Gemeint war wohl, dass es an diesem Tag zügig und kraftvoll werden würde und nicht jede Haltung einzeln erklärt werden konnte. Ich war verunsichert. Doch Heidi meinte nur: „Du kannst bleiben, das wird schon.“

In dieser ersten Stunde fühlte ich mich überfordert. Vieles verstand ich noch nicht. Ich bin einfach mitgegangen, habe versucht zu atmen, zu bleiben und mitzufliessen. Und trotzdem spürte ich schon damals, dass sich dieses ruhige, kraftvolle Üben gut anfühlt. Es hatte etwas Beruhigendes, fast Meditatives.

Über viele Jahre hinweg begegnete mir Ashtanga immer wieder — mal regelmässiger, mal weniger. Oft empfand ich die Praxis auch als anstrengend. Erst mit der Zeit begann ich zu verstehen, was mich daran wirklich berührt. Die klare Struktur gab mir Ruhe und Sicherheit. In den wiederkehrenden Asanas entstand Vertrauen. Und obwohl die Abfolge gleich blieb, fühlte sich jede Praxis anders an.

Am Anfang dachte ich, es gehe vor allem um Kraft und Beweglichkeit. Mit der Zeit wurde mir klar, dass es vielmehr um Ruhe im Geist geht, um Verbundenheit mit mir selbst und darum, wie ich mit meiner Energie umgehe. Kraft und Beweglichkeit sind für mich heute ein Nebenprodukt. Sie entstehen von selbst — mit der Zeit.

Heute weiss ich, dass es nicht darum geht, beweglicher oder besser zu werden. Ashtanga ist für mich ein Raum, in den ich regelmässig zurückkehre. Ein Raum, in dem ich Ruhe finde und lerne, mich mit allem zu nehmen, wie ich bin. Die Grenzen meines Körpers zu akzeptieren und gleichzeitig kleine Veränderungen wahrzunehmen. An Grenzen zu kommen — und genau dort wieder neuen Raum für Atem, Aufmerksamkeit und Verbindung mit mir selbst zu entdecken.

Danke Heidi — dass du an mich glaubst.

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