Am 22. Juli 2026 springt ein winziger Funke nördlich von Arcachon in den seit Wochen ausgetrockneten Waldboden. Woher der Funke kam, kann niemand genau sagen. Erst nur ein Glimmen in der Hitze, dann ein Flimmern über trockenen Piniennadeln. Explosionsartig breitet sich ein Feuer aus – erfasst den ersten Baum. Es ist viel zu heiss, zu trocken – seit Wochen in ganz Europa. Der winzige Funken wächst mit Hilfe seines Freundes, der Trockenheit, zum Waldbrand-Monster.

Dieses Foto zeigt ein von Flammen verschlungenes Waldgebiet in Marcheprime, aufgenommen am 26. Juli. Seit dem 22. Juli verwüsten Feuer den Wald nördlich des Bassin d’Arcachon (Gironde). Foto: Alain Jocard/AFP
Wir standen zu nahe und mussten den Urlaub am ersten Tag abbrechen. Haben den Rauch gerochen, die Sirenen gehört und die Angst gespürt, als Evakuierungen in der Nachbarschaft begannen – eingehüllt in dicken, beissenden Rauch. In diesem Moment wurde aus einer Nachricht im Radio eine existenzielle, körperliche Realität: Unsere Erde leidet. Und wir mit ihr.
Wie findet man inneren Halt, wenn wortwörtlich die Welt um mich herum aus den Fugen gerät?
Als Yogalehrerin weiss ich: Der Schlüssel liegt in einer tiefen Verbundenheit mit der Erde, die uns trägt. In einer Erdung, die das Nervensystem beruhigt und die Schwerkraft als stützenden Freund nutzt.“
Erdung muss nicht kompliziert sein oder nur auf der Yogamatte stattfinden. Du kannst die Verbindung zur Natur und die Ruhe für dein Nervensystem jeden Tag mit ganz einfachen Handlungen stärken:
5 kleine Rituale: So holst du dir die Erdung in deinen Alltag
| Zieh die Schuhe aus | Geh im Garten, im Park oder auf einer Wiese ganz bewusst ein paar Minuten barfuss. Das direkte Berühren des Bodens (Earthing) kühlt den Körper und verankert dich sofort im Jetzt. |
| Wühle in der Erde | Verzichte beim Pflegen deiner Zimmerpflanzen oder beim Unkrautjäten auf dem Balkon auf Handschuhe. Das direkte Spüren von kühler, feuchter Erde baut Stress nachweislich ab. |
| Halte inne im Wald | Bleibe bei deinem nächsten Spaziergang für zwei Minuten regungslos stehen. Berühre die Rinde eines Baumes, rieche die Pinien- oder Tannennadeln und lausche einfach nur dem Wind. |
| Schmecke die Sommerernte | Nimm dir eine reife Beere oder eine Tomate. Schliesse die Augen und spüre bewusst den Geschmack und die Textur, bevor du schluckst. Es ist die pure Lebenskraft der Erde, die dich nährt. |
| Lass dich tragen | Lege dich flach zu Hause auf den Boden oder draussen auf eine Decke. Atme tief aus und erlaube deinem gesamten Körpergewicht, für ein paar Momente komplett schwer nach unten zu sinken. Die Schwerkraft hält dich. |
Wenn wir die Verbindung zur Erde bewusst spüren – trotz ihrer Verletzlichkeit –, verwandelt sich die Ohnmacht in eine tiefe, aktive Hoffnung, denn nur was wir lieben und spüren, können wir auch schützen.
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